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Wein, Weib und Meinungsfreiheit. Die merkwürdige Allianz eines Focus-Redakteurs mit der rechten Postille „Junge Freiheit“ gegen SPD-Politiker, Frankfurter Rundschau vom 31. Dezember 2007

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Volker Schmidt

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Wein, Weib und Meinungsfreiheit

Die merkwürdige Allianz eines Focus-Redakteurs mit der rechten Postille "Junge Freiheit" gegen SPD-Politiker

Die nationalkonservative Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) und die SPD befehden einander, das ist kein Wunder. Dass aber das Magazin Focus an der Seite des - selbst nach der Einschätzung der bayerischen Verfassungsschützer "am rechten Rand des demokratischen Spektrums" agierenden Blattes - mit Schmutz wirft, ist schon merkwürdig.

Angegriffen werden die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt, Schirmherrin des Informationsdienstes Blick nach rechts (bnr), und der baden-
württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Braun. Beide gaben das Buch "Die Wochenzeitung Junge Freiheit" heraus. Es soll belegen, dass das Blatt des intellektuellen rechten Randes ein Fall für den Verfassungsschutz ist. Gegen ihre Erwähnung in Verfassungsschutzberichten mehrerer Länder hatte die JF erfolgreich geklagt.

Die "Edition JF" konterte das Buch mit "Die offene Flanke der SPD - Der Fall Stephan Braun und die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten mit Linksextremisten". Autor Felix Krautkrämer behauptet, "mindestens acht der 18 Autoren" des Anti-JF-Buches schrieben für linksextreme Publikationen, die ihrerseits in Verfassungsschutzberichten erwähnt würden - etwa Graswurzelrevolution, Jungle World und Antifaschistische Nachrichten. Aus der SPD werde also "mit linksextremen Organisationen und Publikationen" zusammengearbeitet, "linksextrem-antifaschistische Positionen" sollten propagiert werden.

Am 11. Dezember griff der Focus in die Schlammschlacht ein. Chef vom Dienst Michael Klonovsky schrieb unter der Überschrift "Ich sehe was, was Du nicht siehst", "mindestens sechs" der Autoren des Vogt-Braun-Buches arbeiteten "parallel" auch für als linksextremistisch eingestufte Publikationen. Als "Spitzenreiter" nannte er den Autor Anton Maegerle. Klonovsky bescheinigte Herausgeberin Vogt "ein merkwürdiges Demokratieverständnis", weil sie für einen Ausschluss des JF-Korrespondenten aus der Bundespressekonferenz plädierte. Tenor der Argumentation: Die JF ist rechts, aber nicht rechtsextrem - setze sie sich doch für "so unverdächtige öffentliche Personen wie CSU-Mann Peter Gauweiler" ein.

Die Junge Freiheit hat mittlerweile eine Unterlassungserklärung abgegeben: Sie wird nicht mehr behaupten, dass Autor Maegerle für Der rechte Rand, Konkret und Neues Deutschland schreibt. Auch druckte das Blatt eine Gegendarstellung von Margarete Jäger vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) ab, die ebenfalls in der Schrift denunziert worden war.

Klonovsky bezeichnete das DISS im Fakten-Fakten-Fakten-Blatt als "Linksextremistensüppchenkochclub". In Sachen Maegerle räumte Klonovsky auf FR-Anfrage ein, es gebe da einen Rechtsstreit. "Eigentlich", so der Focus-Redakteur, halte er nichts von Schnüffelei, wer für wen schreibt: "Ich würde ungern in diesem absurden Theater weitermachen." Aber er streite für die Meinungsfreiheit: "Der Verfassungsschutz soll sich raushalten."

Im Interesse der Meinungsfreiheit trat Klonovsky nach eigenen Angaben auch 2006 als Unterstützer der JF gegen ihren Ausschluss von der Leipziger Buchmesse auf (wie sein Chef Helmut Markwort) - "das hätte ich auch für Konkret getan". Die JF habe er sich "angeschaut, um mir ein Bild zu machen". Er gab ihr im Oktober 2005 ein Interview und füllte im März 2006 den JF-Fragebogen aus. Die JF hat drei aktuelle Bücher Klonovskys besprochen - positiv.

Klonovsky, Autor von Werken wie "Welcher Wein zu welcher Frau?", geriert sich auch im Internet (www.michael-klonovsky.de) in aphoristisch gemeinten Sprüchen als politisch unkorrekter Freigeist. Zwei Beispiele: "Die sogenannte Vergangenheitsaufarbeitung hat immer mehr von Leichenschändung", "was für ein Genuss, inmitten des allgemeinen Toleranz-Blablas einen gebildeten Rassisten zu treffen".

Den Vorwurf, er habe sich Argumente der JF gegen die SPD zu eigen gemacht, wies Klonovsky in einer Antwort auf einen Brief Ute Vogts an den Focus zurück: "Meinen Sie, wir können nicht selber nachschauen, wer wo publiziert? Und meinen Sie überdies, eins plus eins sei nicht mehr zwei, sobald es in der aus Ihrer Sicht falschen Publikation steht?"

Vogt, im SPD-Präsidium für die Bekämpfung des Rechtsextremismus zuständig, sagte der FR: "Es gibt offenbar eine unorganisierte Allianz von Sympathisanten der JF, die ihre Sprachrohre auch in einzelnen Medien haben." Eine Kooperation von SPD und Linksextremisten sei eine "abstruse Konstruktion". Vogt will sich weiter gegen den "Versuch, eine Kampagne gegen uns zu inszenieren", wehren.

Auch die JF fährt juristisches Geschütz auf, wie wiederum der Focus vom 22. Dezember meldet, gezeichnet mit Klonovskys Kürzel: Der VS-Verlag habe die Auslieferung des Vogt-Braun-Buches stoppen müssen, weil der Historiker Stefan Scheil Falschaussagen über sich entdeckt und eine Unterlassungserklärung erwirkt habe. Das von der Süddeutschen Zeitung empfohlene Buch ist beim Verlag als "derzeit nicht lieferbar" gelistet. Die Schlammschlacht geht weiter. Wie schreibt Klonovsky: "Wozu sich aufregen? Die Dummen gewinnen ja doch."